Norwegen und der Ölboom

Norwegen besitzt über 50 Prozent der verbliebenen westeuropäischen Erdölreserven und ist nach Saudi-Arabien und Russland der drittgrößte Erdöl-Exporteur der Welt.Das Erdölzeitalter begann für Norwegen in der Nacht zum 24. Oktober 1969, als man bei Bohrungen, auf die erste wirtschaftlich nutzbare Erdölquelle stieß. Über Nacht schwamm Norwegen im Reichtum. Eines der ärmsten nordeuropäischen Länder, das bislang hauptsächlich von Fischfang, Land- und Forstwirtschaft lebte, vollzog einen wirtschaftlichen Quantensprung und konnte mit einem Schlag seinen Schuldenberg bei fremden Gläubigern abbezahlen. Heute fördert Norwegen täglich bis zu drei Barrel Erdöl und gehört mit einem BSP von ungefähr 47.000 Dollar pro Kopf zu den reichsten Ländern der Welt.
Das schwarze Gold verändert ein Land
Der plötzliche Geldsegen brachte Norwegen allerdings nicht nur Vorteile. Trotz Bemühungen der Regierung, Norwegen nicht in ein neues Scheichtum zu verwandeln, nahm der Alltag rund um die neuen Ölzentren internationale Züge an. Verschlafene Hafenstädte, wie Stavanger, wandelten sich zu Orten reger Betriebsamkeit. Glas- und Betonbauten sowie teure Boutiquen veränderten nach und nach das ursprüngliche Stadtbild. Das Land schien sich damit abfinden zu müssen, dass das Nordseeöl weit reichende Veränderungen der Kultur, Tradition, Eigenart und Denkweise Norwegens bedingte.
Bescheidenheit statt Prahlerei
Trotzdem ist Norwegen nicht zu einem Land der homogenen Oberschicht, die mit ihrem Reichtum prahlt, verkommen. Die Regierung hat vernünftigerweise einen Großteil des Öleinkommens in den Rentenfond gesteckt um der Bevölkerung ein gesichertes Leben nach dem Öl zu gewährleisten. Auch relativ hohe Benzinpreise sorgen dafür, dass sich im Land kein Gefühl des Überflusses breit macht. Das ist auch durchaus gerechtfertigt: Die Erdölreserven sind nicht unerschöpflich. Ungefähr 50 Jahre kann das Land noch vom schwarzen Gold leben, danach muss sich Norwegen nach Alternativen umsehen.
(Bildquelle: nettopp)
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